Die drei MENHIRE bei Benzingerode, Derenburg und Heimburg im Harzvorland   

 

Die weltweit bekanntesten MENHIRE stehen wohl in der Bretagne. In Carnac findet man dort fast endlos erscheinende Reihen dieser Steinsetzungen.

 

Aber auch am Harzrand - mitten in Deutschland (Sachsen-Anhalt) - findet man einige Exemplare dieser „Menhire“, die zu den sogenannten Megalithen zu zählen sind. Menhir ist dabei die bretonische Bezeichnung – und damit sind wir dann doch wieder in Carnac – für Langstein bzw. für eine aufrecht stehende Steinsäule (das Wort setzt sich aus   MEN = Stein  und  HIR = lang   zusammen).

 

Ein recht stattliches Exemplar dieser Steine, ist der ca. 3,80 Meter hohe bei Benzingerode. Sein Durchmesser beträgt etwa 1,20 bis 1,55 Meter und er soll ca. 75 cm tief im Boden stehen. Dies würde seine Gesamtlänge auf über 4,50 Meter erhöhen. Er gehört zu einer Gruppe von drei Menhiren, die dort seit über 5000 Jahren (heute auf einem Feld) stehen und kann sich in Größe und Alter durchaus mit seinen berühmten Kollegen in Frankreich messen. Weltweit, so auch in Sachsen-Anhalt, rätselt man über die ursprüngliche Verwendung dieser Steinsäulen.

 

            image003 Menhir 1 image005

 

Ein weiterer Menhir, der sich in unmittelbarer Nähe und in gerader Linie nur einen knappen Kilometer entfernt befindet, wurde erst Ende
2004 wieder aufgerichtet, nachdem er wahrscheinlich über Hundert Jahre in Schrägstellung ausharren musste und irgendwann (nach 1950)
auch aufgrund einer starken Neigung mit Holzpfählen gestützt wurde (s
. Zeichnung).  Es ist der sogenannte Derenburger Menhir.

Die Schräglage hatte ihre Ursache in einer unsachgemäßen Versetzung des Steines, die um 1860 vorgenommen wurde. Damals stand der Stein einige Meter östlicher - mitten in einem Feld - wo er die damaligen Eigentümer störte. Damals wurden Feld und Flur neu vermessen und zugeordnet. Ein altes Foto aus den 1930er Jahren, das ich mal gesehen habe, zeigt den Stein bereits in starker Schräglage, aber noch ohne Stützen.

Erst Ende 2004 nach Abschluss sämtlicher Arbeiten am Neubau der Bundesstraße 6
(Bagger, Krane und schweres Gerät waren ja aufgrund der Bauarbeiten noch vor Ort) wurde der zweite Menhir wieder - wie es sich für einen solchen Stein gehört - aufrecht hingestellt. Somit ist auch er wieder ein stattlicher Vertreter seiner Art. Er misst in der sichtbaren Höhe ca. 3 Meter und hat eine Breite von etwa 2 Metern bei einer Dicke von ungefähr 60 cm. Der Stein wurde bei seiner Wiederaufstellung um 90 Grad gedreht und zeigt so seine wahre Größe auch den Autoinsassen, die auf der B6 entlang fahren. Er sieht jetzt mit ein wenig Fantasie wie eine winkende Hand aus.

Menhir 2   in „gebückter“ Haltung .......

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image009            ....... und in wieder hergestellter Größe.

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Menhir1und2 

 

Der Dritte dieser dort vorhandenen Menhire galt seit Jahrzehnten als verschollen oder gar vernichtet. Ebenfalls im Zuge der Bauarbeiten zur neuen B6 hat man ihn aber im Erdreich wieder entdeckt, fachgerecht geborgen und auch entsprechend wieder aufgestellt. Ob es sich dabei aber tatsächlich um seinen ursprünglichen Standort handelt ist umstritten. Er befindet sich ebenso in Sichtweite auf den Feldern und wird auch der Heimburger Stein genannt. Auch dieser Stein hat ein ähnlich stattliches Aussehen, wie seine beiden Brüder. Er dürfte in der Höhe etwa 2,20 Meter, in der Breite ca. 1,85 Meter und an der Schmalseite 20-30 cm messen. Die im Erdreich vergrabene Tiefe dürfte nochmals ungefähr 75 cm betragen – Gesamthöhe des Steines somit 2,95 bis 3 Meter. Obwohl er in unmittelbarer Nähe zum zweiten Stein steht und von diesem nur rund 80 Meter entfernt ist kann man den einen nicht vom anderen aus sehen. Die Trasse der B6n verläuft genau zwischen den Steinen und versperrt so die Sicht. So bilden die beiden Steine eine Art Tor durch das alle hindurchfahren ohne davon wirklich zu wissen. Von der Bundesstraße aus ist der Stein nicht zu sehen, da er von dort aus hinter einer kleinen Baumgruppe versteckt ist.

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Alle drei Steine - der Menhir von Benzingerode, der Heimburger und der Derenburger Menhir - sind aus Senon-Quarzit, einer Gesteinsart,
die auch direkt im Harzgebiet vorkommt.

 

Nimmt man den ersten Stein einmal als Beobachtungsstandort und man visiert von dort den zweiten Stein – links der B6n – an, so blickt
man hinter dem Stein auf das Gipfelplateau vom Regenstein
(s. auch www.terraner.de/Regenstein/Regenstein.htm ) bei Blankenburg.

image015Visiert man den dritten – den Heimburger Stein, rechts der B6n – an so steht in direkter Blickrichtung
dahinter die Heimburg, bzw. das was von ihr heute noch übrig ist.

 

Zufall? Oder vor über 5000 Jahren so geplant?

 

Vielleicht gab es auf dem Regenstein dort in alter Zeit einen entsprechenden Kultplatz und die Menhire bildeten einst die Wegweiser.
Der freistehende Hügel, der ehemaligen Heimburg bietet sich dabei als Vorplatz / Sammelplatz für die eigentlichen Kulthandlungen auf
dem Regenstein an.

 

 

image009Noch heute findet man auf dem Heimburg-Hügel einen Kreis aus sehr alten Linden, der diese Theorie zusätzlich unterstützt.

 

Ein Beweis für die Kultplatztheorie findet sich möglicherweise auch bei der Betrachtung der Ortswappen von Heimburg, Benzingerode, Derenburg und Blankenburg und des Wappens der Regensteiner Grafen. Alle diese Wappen zeigen u. a. mindestens ein Hirschgeweihteil, dass unter Umständen auf den bekannten, steinzeitlichen Hirschkult schließen lässt und somit einen Hinweis auf den paganen Naturgott Cernunnos liefert.

 

Die Heimburg diente nachweislich ab dem 10. Jahrhundert als Befestigungsanlage und wurde noch im späten Mittelalter zur Sicherung der Handelswege nach Norden und Süden genutzt. Der Zerfall setzte dann ab Mitte des 17. Jahrhundert ein.

 

 

Im Zusammenhang mit dem Neubau der Bundesstraße 6, der im Bereich Benzingerode / Heimburg in 2004 abgeschlossen wurde, sind vorher in unmittelbarer Nähe zu den Menhiren umfangreiche Grabungen durchgeführt worden. Glücklicherweise sind die alten Denkmäler, die unsere Vorfahren sicherlich mit sehr viel Mühe und mit Sicherheit nicht völlig grundlos an diese Stelle gesetzt haben, an ihren Standorten trotz Straßenneubau erhalten geblieben. Bei den Bauarbeiten zur B6 wurden in diesem Gebiet neben umfangreichen sehr alten Siedlungsresten und einem Langhausfundament aus der Bronzezeit auch eine frühmittelalterliche, schlackegepflasterte Straße und eine sogenannte

„Totenhütte“ (s. unten) entdeckt. Außerdem konnte der steinzeitliche Verlauf des aus dem Harz kommenden Hellbaches rekonstruiert werden, der heute einige Meter weiter südlich, direkt beim dritten Menhir, verläuft. Die Menhire zwischen Benzingerode und Heimburg stehen meines Erachtens auch in unmittelbaren Zusammenhang mit dieser prähistorischen Siedlung und mit der Totenhütte. Die ältesten Keramikfundstücke wurden nach den üblichen Methoden auf ca. 5.570 v. N. datiert. Somit dürfte es sich um eines der ältesten Dörfer im Harzvorland handeln und die Menhire sind wahrscheinlich älter als bisher angenommen wurde.

 

Auf einem Parkplatz der B6, in unmittelbarer Nachbarschaft zu unseren Menhiren, wird teilweise auf diese archäologischen Ausgrabungen hingewiesen und es wurde das Langhaus im Ansatz nachgestellt. Aufgrund von Zäunen (teilweise in Doppelreihen) sind die Menhire allerdings nicht vom Parkplatz aus zu erreichen.

 

 

Wegbeschreibung zu den Steinen:

Fährt man heute die neue Bundesstraße 6 von Heimburg in Richtung Wernigerode kann man zunächst den von mir hier als zweiten Menhir bezeichneten Stein, relativ nahe der Straße und kurz vor einer Feldwegüberführung, entdecken. Der Große (Menhir 1) ist nur wenig später weiter hinten frei auf dem Feld stehend zu sehen. Da Benzingerode keinen eigenen Zugang zur neuen B6 hat, muss man zunächst bis Wernigerode und von dort ca. 6 Kilometer zurück nach Benzingerode (über die alte B6) fahren. Hier fährt man im Ort links Richtung Silstedt. Kurz darauf erreicht man eine Brücke über die neue B6. Überquert man die Brücke kann man den großen Menhir bereits auf der rechten Seite (aber links der Bundesstraße) frei auf dem Feld stehend erkennen und man erreicht ihn über den direkt darauf zuführenden Feldweg. Von hier aus hat man dann auch einen Sichtkontakt zum zweiten Menhir. Er befindet in unmittelbarer Nähe der auch von hieraus gut zu erkennenden Auffahrrampe zur Feldwegüberführung über die neue B6. Über gut befestigte Feldwege kann man dann auch den zweiten Menhir erreichen. Überquert man dann die B6n und hält sich am gegenüberliegenden Ende der Feldwegbrücke zunächst links. Dann führt ein gerader normaler Feldweg auf eine kleine Umzäunung mit Baumsetzlingen zu. Innerhalb dieser Umzäunung ist auch der dritte Menhir zu bewundern.

 

 

Sagenhaftes zu diesen Steinen:

Eine Sage zu den Steinen erzählt, dass dort einst Riesen um die Gunst eines Bauernmädchens buhlten und einen Wettkampf durch Weitwurf von Felssteinen austrugen. Da sie aber später feststellten, dass ihre Steine unterschiedlich groß waren, blieb der Wettbewerb ohne Sieger und die Hünen gingen im Zorn auseinander. Wenig später sollen sie die Gegend um Benzingerode und Heimburg dann für immer verlassen haben.

 

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Die Hütte der Toten – Archäologische Grabungen am Neubau der B6:

Aktuelle Berühmtheit hat der Ort Benzingerode erst kürzlich erhalten   http://www.archlsa.de/funde-der-monate/02.03/ .

Bei Benzingerode haben die Archäologen des Landes Sachsen-Anhalt im November 2001 einen sensationellen Fund gemacht. Es wurde dort eine ca. 5000 Jahre alte, sogenannte „Totenhütte“ aus der späten Jungsteinzeit  entdeckt. Über die Jahrhunderte hinweg soll sie unberührt und erstaunlich gut erhalten geblieben sein. In dem etwa 9 mal 3,5 Meter großen Ausgrabungsareal wurden die Überreste von ca. 40 Menschen gefunden. Grabstätten dieser Art sind bisher nur sehr selten unversehrt entdeckt worden, da sie entweder zuvor ausgeräumt wurden oder durch Feld- und Witterungseinflüsse beschädigt wurden. In Benzingerode konnten die Archäologen zum Teil komplette Skelette freilegen. Auch einige Grabbeigaben wurden entdeckt. Die Archäologen rechnen damit, dass in der Totenhütte die komplette Bevölkerung eines Dorfes aus der sog. Bernburger Kultur (3400 bis 2800 v. Chr.) begraben liegt. Über DNA-Analysen der Zähne könnten nun Informationen über die familiären Verbindungen gewonnen werden. Außerdem werden Informationen über die Tätigkeiten der Menschen, über Todesursachen und das Leben in der Siedlung erhofft.

Die Entdeckung der Totenhütte ist eher zufällig erfolgt. Im März 2001 wurden bei Benzingerode - im Verlauf der neuen Bundesstraße 6 – archäologische Grabungen durchgeführt. Dabei wurden mehr als 15 Hektar Fläche wissenschaftlich untersucht. Dass die Totenhütte erst bei Abschluss der geplanten Grabungen entdeckt wurde, lag einfach daran, dass die Baucontainer der Archäologen während der gesamten Arbeiten direkt über der Totenhütte standen.

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JKS / 2003, 10.2005 und 06.2007

 

 

Weitere, interessante Kraftorte im Harz findet man auch hier: http://www.wassermannzeitalter.de/Kraftorte-im-Harz.html

 

Wer selbst eine Harzreise vorhat und dann auch die drei Menhire bewundern will, der plant am besten mit Hilfe von: http://www.harz-urlaub.de .

 

 

JKS / 2009